7. Oekonomische Fehler
Grundlegende Fehler in der Umsetzung des Marx'schen Konzepts
Die Planwirtschaft
MARX hatte die kapitalistische Wirtschaftsform und die Marktwirtschaft verteufelt.Ohne zuerst einen konkreten Ersatz vorzusehen. Das blieb LENIN vorbehalten, der an die Stelle der Marktwirtschaft die Planwirtschaft setzte.
Aber er schon musste erkennen, dass der Planwirtschaft ein wesentliches Element fehlt:
Der innere Antrieb in jedem einzelnen Menschen.
Allein das Bestreben, den Plan zu erfüllen- oder überzuerfüllen, reicht offenbar nicht aus, die Arbeitsleistung und Arbeitsproduktivität ständig zu steigern, oder auch nur zu erhalten.
Hinzu kommt die Schwierigkeit der Planerstellung selbst. Nicht nur, dass dazu ein umfangreiches Zahlenmaterial aus allen Bereichen der Wirtschaft und des Lebens- bis hin zu den persönlichen Bedürfnissen der Menschen vorliegen müsste, es muss zudem auch noch sinnvoll miteinander verknüpft werden.
Allein diese Aufgabe ist ohne die moderne Rechentechnik kaum lösbar.
Aber nicht das Fehlen der materiellen Voraussetzungen einer guten Planungsarbeit ist der Grund für das letztliche Versagen dieser Wirtschaftsform. Die Unabsehbarkeit der Entwicklung der Bedürfnisse, der genauen technischen Entwicklung, der wissenschaftlichen Erkenntnisse, der vom Wetter stark abhängigen landwirtschaftlichen Erträge und nicht zuletzt der politischen Entwicklung- auch in anderen Ländern- derartig viele Unsicherheiten, dass eine auch nur einigermaßen richtige Planung praktisch schon vom Ansatz er unmöglich ist.
Aber auch in der Realisierung der Pläne selbst traten Unregelmäßigkeiten auf, die schwer zu korrigieren waren. Hauptprobleme waren hierbei Planabweichungen nach unten- völlig verständlich - und aber auch die nicht ohne weiteres verständlichen, nach oben, die sog. Planübererfüllungen.
Der Dummheit einiger politischer und Ökonomischer Leiter aller Ebenen ist es zuzuschreiben, dass die Übererfüllung des Planes nie als so gefährlich erkannt wurde, wie sie wirklich war. Sie sollte sogar mit Hilfe von Wettbewerben anstachelt werden.
Gerade dabei entstanden die gefährlichsten Disproportionen, war doch schließlich zu jeder Übererfüllung eine entsprechende zusätzliche Lieferung von Vorprodukten, Energie und Material erforderlich. Und nicht alle konnten den Plan im gleichen Maße überbieten.
Zu Zeiten KARL MARX' war der Kapitalismus rauh und hart, insbesondere für die arbeitenden Menschen. Anfangs, in einer frühen Entwicklungsphase, konnte der noch vorhandene private Sektor in der Volkswirtschaft bis zu einem gewissen Grade ausgleichend wirken. Später jedoch, mit zunehmender "Vergesellschaftung", sprich Enteignung der privaten
Gewerbetreibenden, beraubte sich die Wirtschaft eines ihrer regulierenden Parts.
Blieb der persönliche Sektor. Ihn anzuzapfen, um momentane oder dauernde Engpässe der Planwirtschaft auszugleichen, bedeutete, den ohnehin nicht übermäßigen persönlichen Verbrauch der Bevölkerung weiter einzuschränken, also Zündstoff der Unzufriedenheit anzuhäufen.
Ersatz suchte man durch die Nutzung der Marktwirtschaft in den kapitalistischen Ländern zu schaffen, wenn es mal wieder zu Versorgungsengpässen gekommen war, und die Bevölkerung sich durch ideologische Phrasen nicht mehr beruhigen ließ. Viele denkende Menschen fragten sich, wie es wohl einmal gehen sollte, wenn die ganze Welt sozialistische Planwirtschaft betriebe?
Ohne Antrieb
Was sollte denn nun aber die Plandisziplin gewährleisten? In der Philosophie der Planwirtschaft hätte es das Bestreben jedes Einzelnen sein müssen, unter allen Umständen die Pläne genau zu erfüllen. Und gerade dieses Wollen war nur in Ansätzen vorhanden. Vielleicht noch am ehesten bei den Leitungen- man hätte das schließlich erwarten können. Die vielgepriesene Arbeiterklasse hingegen hatte doch wohl zuerst das Bestreben, den persönlichen Wohlstand zu mehren- oder wenigstens zu sichern.
Und das war schwer genug..... und eigentlich gar nicht "sozialistisch".
So hatte schon LENIN den "sozialistischen" Wettbewerb erfunden, der demjenigen höhere Anteile am erwirtschafteten Gewinn versprach, der mehr zu seiner Schaffung beigetragen hatte. Der Leistungslohn anstelle des kapitalistischen Akkordlohnes war geboren - und der Wettbewerb anstelle der Konkurrenz.....
Aber beide hatten sich gegenüber einer herrschenden Arbeiterklasse durchzusetzen, die gerade diese Antriebsformen für jeden persönlich und für die Wirtschaft insgesamt ins Visier genommen hatte. Die auch heute noch hin und wieder versuchte Quadratur des Kreises, Wirtschaftsantrieb ohne persönliche Anreize zu erreichen, konnte auch die Planwirtschaft nicht realisieren. So war denn von Anbeginn beiden, Leistungslohn und
Wettbewerb, der Stachel genommen. Der Leistungslohn verfiel zu einer Art
Lohnzuschlag, der "sozialistische" Wettbewerb wurde zur zweiten regelmäßigen, im allgemeinen leistungsunabhängigen Einnahmequelle.
Dieser Nivellierungstrend ging soweit, dass es nicht an Versuchen fehlte, sogar Zuschläge für Arbeitserschwernisse, etwa Nachtarbeit, Sonn- und Feiertagsdienste, abzuschaffen oder zumindest soweit abzuschwächen, dass eine deutliche Besserstellung der Empfänger gegenüber anderen, die diese Erschwernisse nicht erdulden mussten, nicht mehr gewährleistet war.
Die Auswirkungen waren zuerst gering, mit zunehmender Entwicklung wurden sie zu echten Wirtschaftshemmnissen.
Blieb schließlich noch der Antrieb durch Einzel- oder auch Kollektivauszeichnungen.
Die Menge der geschaffenen Auszeichnungen und Orden war Legion. In jedem Falle war der damit Bedachte doch wenigsten etwas besser gestellt als die Masse. Bis es sich die Regierung anlässlich eines Jahrestages der Republik- ich glaube es war der 25., einfallen ließ, selbst bis dahin für höher gehaltene Auszeichnungen zu Tausenden, ja Zehntausenden zu vergeben......
Und trotzdem war der Ausgezeichnete noch immer etwas hervorgehoben. Das abzuändern, schien Politik zu sein. Wurden doch Auszeichnungen nicht nur für erhöhte Arbeitsleistungen vergeben, sondern auch für gesellschaftliche Aktivitäten oder einfach, weil der Empfänger "dran" war.
Besonders deutlich wurde das bei den Quotenregelungen, die eine bestimmte Anzahl Frauen, Jugendliche und Arbeiter unter den Ausgezeichneten forderten. Ehe sich eine Leitung den Vorwurf gefallen ließ, diese Quoten nicht eingehalten zu haben, vergab sie lieber an eigentlich nicht Auszeichnungswürdige.....
Das Spiel mit dem Geld
Geld ist das allgemeinste Äquivalent für alle Waren und Leistungen. Der Wert, und in bestimmtem Maße auch der Preis einer Ware ist der Wert bzw. der Preis der darin enthaltenen Arbeitszeit. Der Preis kann vom Wert abweichen durch die Marktsituation, also Angebot und Nachfrage.
Soweit KARL MARX.
Mit der Schaffung der Binnenwährung in der damaligen sowjetischen Besatzungszone im Jahre 1948 bestand die Möglichkeit, auch noch andere Kriterien für die Preisfestsetzung von Waren und Leistungen heranzuziehen. So konnte man nun darangehen, Preise auch nach sog."sozialen" Gesichtspunkten zu gestalten.
Die Grundversorgung der Bevölkerung wurde, soweit überhaupt gesichert, auf alle Fälle jedoch zu äußerst niedrigen Preisen geboten. Und das blieb so, selbst als durch die auch an der DDR nicht vorübergehende Geldentwertung die Preise für diese Dinge zu reinen Verwaltungsgebühren verkamen.
Die Mittel für diese Preissubventionen wurden aus Abschöpfungen auf Luxusgüter und später einfach auf alle nicht in ausreichendem Maße vorhandenen Waren erwirtschaftet.
Zuerst jedoch hatte der Staat noch mit dem "schwarzen Markt" zu kämpfen. Er war eine der letzten Bastionen der Marktwirtschaft und kannte den Mangel nicht. Als sich, auf Grund steigender Produktion in dem damals noch unabhängigen und verhältnismäßig großen privatem Sektor die Preise des freien Marktes zu stabilisieren begannen, also zu einer Zeit, als großen Teilen der Bevölkerung klar zu werden drohte, dass freier Markt und Marktwirtschaft sehr wohl eine ausreichende und bezahlbare Versorgung sicherstellen können, musste eine Lösung gefunden werden. Die
Planwirtschaft sollte als die bessere Alternative erscheinen.
Eine Möglichkeit sah man in der Einrichtung der staatlichen Handelsorganisation, kurz "HO" genannt. Dort gab es alle die Waren, die man im normalen Handel - also auf "schwarzen Märkten"- oder überhaupt nicht- erwerben konnte. Die Preise in den ersten HO-Läden, bzw. -Kaufhäusern waren denen des schwarzen Marktes vergleichbar. Aber
man konnte ohne Gefahr der Bestrafung einkaufen.
In der weiteren Entwicklung wurden diese HO-Preise denn auch -natürlich jedesmal mit großem propagandistischem Getön- besonders zu bestimmten politischen Anlässen, langsam herabgesetzt.
Eine zweite Offenbarungsstelle des wahren Wertes der DDR-Mark waren die privaten Wechselstuben in Westberlin und in der BRD. Diesen war nicht so ohne weiteres beizukommen-, bis man auf die Idee der völligen Abschottung der DDR verfiel......
Es stellte sich dann tatsächlich im Laufe der Zeit in weiten Kreisen der Bevölkerung die Meinung ein, dass das nicht frei konvertierbare DDR-Geld doch seinen, nicht einmal so geringen, Wert habe.
Täglich musste man die billigen Dinge des täglichen Lebens einkaufen, selten jedoch größere und überteuerte Anschaffungen machen. Hinzu kam, dass, zumindest in der ersten Zeit nach dem Mauerbau, Informationen aus dem anderen Teil Deutschlands spärlich flossen, ja für viele überhaupt nicht zu erlangen waren.
Und trotzdem: Das Spiel mit dem Geld, der immer gravierender werdende Abstand zwischen Wert und Preis, (wohlgemerkt in beiden Richtungen!) waren Sargnägel am sozialistischem Wirtschaftssystem, obwohl das seine Verfechter anfangs nicht sahen- oder sehen wollten.
Darüber könnte man übrigens ein eigenes Kapitel schreiben: Wussten sie es nicht, wollten sie es nicht wissen, oder waren sie zu dumm, um diese Entwicklung zu sehen?
Ich glaube, eine Mischung aus all diesen Gründen, je nach Stellung desjenigen, der die Geldwirtschaft zu vertreten und zu verteidigen hatte, ist wohl richtig. Es gab Stimmen, die immer wieder auf die verhängnisvolle Geldpolitik hinwiesen- sie wurden totgeschwiegen. Der einzelne Mahner aber solange bearbeitet, bis er den Widerstand aufgab.......
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