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Am 19.06.2006 war also der Tag an dem ich unsere Tochter zur Welt bringen sollte. Wir fuhren gegen 13 Uhr zu meiner Schwester sie abholen und sind dann von da aus ins Krankenhaus gefahren, denn um 14 Uhr sollte ich da sein. Vor dem Krankenhaus haben wir dann noch auf Björn gewartet und sind dann alle vier dort rein gegangen zum Sekreteriat. Dort sagte man mir ich müsse mich erst anmelden. Aso wieder zur Anmeldung, wo man mir sagte ich würde auf ein 3 Bett Zimmer kommen. Na super,dabei sagte man mir doch am Telefon ich würde ein Einzelzimmer bekommen, aber die gute Frau teilte mir mit,daß würde mich 120 Euro pro Tag kosten. Dann mußte ich hoch auf Station und mich dort noch melden, wo man mir noch Blut abnahm und einige Fragen stellte. Sie sagten mir auch,daß ich ein Zimmer für mich alleine bekommen würde und mir viel ein Stein vom Herzen. Man ruf mich dann runter zur Untersuchung und wir vier sind dann dort hin. Die Chefärztin schaute sehr dumm,als ich mit Mama, Steffi und Björn da aufkreuzte und ich sagte ihr gleich das ich alle drei dabei haben möchte. Wir sind dann ins Untersuchungszimmer, wo sie dann erst einmal am rummäckern war,was ich denn hier suchen würde, denn das entgültige Ergebniss läge ja noch nicht vor und wer mich her bestellt hätte und das sie so den Abbruch nicht vornehmen würde. Ich sagte ihr dann,daß ich mich nicht aufgrund der Fruchtwasseruntersuchung für diesen Abbruch entschieden habe, sondern wegen dem was man auf dem Ultraschall sieht. Das ich das nur gemacht habe um einen Chromosomenschaden auszuschließen und das Geschlecht zu erfahren. Sie machte dann doch Ultraschall und sagte dann aber auch,daß unter diesen Umständen sie den Abbruch vornehmen würde, da das Ergebniss sehr eindeutig wäre. Sie schickte dann meine Mutter, Steffi und Björn nochmal raus, weil sie mich dann noch untersuchen wollte und stellte dabei fest das der Muttermund schon verkürzt und dürchgängig war und man den inneren Muttermund schon fühlen könnte. Mit aller wahrscheinlichkeit würde unsere Tochter das Ende der Schwangerschaft gar nicht schaffen. Sie sagte mir dann noch das ich die erste Tablette so zwischen 21 und 22 Uhr bekommen würde und das es nicht gleich bei der ersten Tablette klappen würde. Wir gingen dann wieder nach oben auf´s Zimmer wo dann kurze Zeit später die Seelsorgerin aus dem Krankenhaus zu mir kam und mit mir sprach. Ich fragte sie auch warum eine Frau die 9 gesunde Babys zur Welt bringt und sie tötet nur 15 Jahre und ich die gerne ihr Kind bekommen hätte, bekommt egal wie sie sich entscheidet Lebenslänglich?! Lebenslänglich muß ich mit meiner Entscheidung leben. Eine andere Frau sagte mal zu mir, daß diese Frau vielleicht auch von Schuldgefühlen geplagt sein wird und das vielleicht auch bereut. Das kann ich mir nur schwer vorstellen, wenn es so gewesen wäre bei dem ersten Kind könnte ich das vielleicht ja noch verstehen, aber nicht bei 9 Baby´s die sie getötet hat. Wir haben sehr viel gesprochen und auch über unsere Beziehung gesprochen! Sie sagte dann auch das Levana gesegnet werden würde, worauf ich dann sagte sie wird getauft. Man würde sie nicht Taufen,daß würde man nur bei lebenden Baby´s machen, aber meine Pastorin sagte mir das Levana richtig getauft werden würde und darüber war sie ganz erstaunt. Björn, Mama und Steffi sind dann nochmal nach Hause und ich habe die Zeit mit meinem Bauch genutzt und am späten Abend kamen alle drei dann wieder. Björn brachte dann noch Brötchen und Kaffee mit! Mittlerweile hatten wir schon 22 Uhr durch und die Schwester sagte mir das sie erst um 23 Uhr beginnen werden. Und so hieß es weiter warten. Um 23:15 Uhr kam sie dann endlich um mir die Tablette vor den Muttermund zu legen. Eine halbe Stunden später hatte ich dann auch schon die ersten Wehen. Diese waren aber noch auszuhalten und wir sind weiter rumgelaufen und haben uns draußen eine Zigarette geraucht. Sie fingen dann später aber an immer heftiger zu werden, aber durchaus noch aushaltbar. Um 2 Uhr Nachts bekam ich dann die zweite Tablette und die Schwester sagte, wenn ich Schmerzen habe kann ich ruhig was haben. Ich wollte aber nicht. Wir sind dann wieder in den Flur eine rauchen gegangen und dort merkte ich dann aber das es doch immer mehr an Schmerzen wurde und ich mühe hatte beim laufen. Wir sind dann wieder auf´s Zimmer und da kam uns schon die Schwester entgegen und sagte,daß sie mir jetzt was gegen die Schmerzen geben würde, sie konnte scheinbar Gedanken lesen, denn ich wollte nun doch Schmerzmittel haben. Sie sagte dann,daß mein Besuch mir mal etwas ruhe gönnen sollte, dnen ich bräuchte die Kraft. Also sind die drei nochmal in den Flur eine rauchen gegangen. Ich habe die Zeit genutzt um nochmal mit meiner Bauchbewohnerin zu sprechen und sie nochmal zu spüren. Es muß gegen 3 Uhr gewesen sein wo ich sie das letztemal gespürt habe. Da fing es dann auch an , daß es mir immer kälter wurde. Immer mal wieder sind Mama, Björn und Steffi in den Flur sich eine rauchen gegangen und ich habe die Zeit genutzt dann etwas zu schlafen, soweit wie das möglich war bei den Schmerzen. Um 5 Uhr kam dann die Ärztin und untersuchte mich. Sie war auch mittags dabei gewesen und ich schätzte sie sehr arrogant ein. Ich sagte ihr das sie bitte die Handschuhe feucht machen soll, weil es mir so weh tat, was sie auch machte. Sie war sehr vorsichtig und erwies sich gar nicht als so arrogant. Sie sagte mir das der Muttermund schon 2 cm offen sei und legte mir noch eine Tablette davor. Das nächste Zäpfchen sollte ich um 8 Uhr bekommen. In der zwischenzeit lag ich schon an an einem Schmerztropf und hatte auch schon eine Spritze bekommen, aber es wollte einfach nicht besser werden, also stellte sie den Tropf noch höher ein. Um 7 Uhr wurd es mir immer kälter und ich lief im Minutentakt zur Toilette, weil ich immer wieder den Drang hatte Wasser zu lassen, nachdem mich der Durchfall geplagt hatte. Ich mußte auch immer auf eine Pfanne mache, denn es könnte sein, daß Levana einfach so raus rutscht,da sie ja sehr klein war. Gegen 7:20 uhr hatte ich dann das Gefühl das ich ihr Köpfchen zwischen meinen Beine fühlte und sagte meiner Mutter sie solle bitte die Schwester rufen. Diese kam auch gleich und schaute nach, sagte mir daß ich die Beine zusammen halten soll und mich auf die Seite legen sollte und verschwand um ihre Kollegin zu holen die mich dann runter in den Kreissaal brachten. Auf den Weg dort hin sagte man nur, daß nur einer mit rein darf und ich sagte das es mit der Chefärztin abgeklärt sei und ich alle drei mit rein nehmen darf. Im Kreissaal wurden wir von Hebamme Ute in Empfang genommen die sehr lieb war und die Ärztin war auch da. Man untersuchte mich und sagte das sie die Fruchtblase sehen und diese nun sprengen und das der Muttermund 4 cm offen sei. Sie wurde gesprengt und die Wehen waren erst einmal weg, aber ich zitterte am ganzen Körper da es mir sehr kalt war. Man unterhielt sich dann darüber wieviel Schmerzmittel ich noch haben dürfte und gab mir Buscopan hochdosiert direkt über die Vene und gab mir noch ein weiteres Schmerzmittel und ein Mittel welches den Muttermund weich machen sollte. Ich fragte die Ärztin wie lange es wohl noch dauern würde und sie sagte das es noch ne gute Stunde dauern würde bis meine kleine geboren werden würde. Sie merkte scheinbar das es mir sehr wichtig war sie dort zu bekommen,weil ich eine furchtbare Panik vor der Narkose hatte. Doch dann kam leider alles anders. Frau Dr. G. betrat den Raum und untersuchte mich einfach ohne zu fragen, ob sie mich untersuchen darf. Sie sagte dann nur: "Ab in den Op!" Und meine Mutter sagte: "Wie ab in den Op? Ich dachte es dauert noch eine Stunde!" "Wollen sie hier mit mir Diskutieren oder was?", bekam meine Mutter als patzige Antwort, worauf sie dann sagte: "Ich will hier nicht Diskutieren, aber ich möchte das der Wunsch meiner Tochter respektiert wird!" Ich hatte zu diesem Zeitpunkt nicht eine Wehe geschweige denn eine Presswehe und war bitterlich am weinen und mit meinen Kräften am ende. Völlig zugedröhnt mit Schmerzmitteln, war ich noch nicht mal in der Lage zu lesen was in großen Buchstaben auf dem Tropf stand,so einen Schleier hatte ich auf meinen Augen. "Na wenn sie sich das unbedingt antun wollen, bitte schön! Ist mir doch egal. Na dann pressen sie doch mal! ..... Sehen sie geht nicht,ab in den Op!" Ich konnte doch nicht pressen. Sie hat mir alles kaputt gemacht, wie ich es mir vorgestellt habe. Björn, Mama und Steffi blieben noch einen Moment im Kreissaal stehen bevor sie nach draußen sind um Frau W. die Pastorin anzurufen. Mich schob man nun in den Op und dort sollte ich dann noch auf eine andere Liege. Ich sollte wie Frau Dr. G. so schön sagte, dort mal rüber hüpfen. Wie sollte ich da rüber hüpfen, wo doch meine Tochter mit ihrem Körper zwischen meinen Beinen steckte? Ich hatte doch so Angst das ich mich ausversehen auf sie draufsetzte. Es fehlten vielleicht nur 2 cm, aber Frau Dr. G. wollte ja nicht warten. Die Op Schwester wies Frau Dr. G. in ihre Schranken,denn ich konnte es körperlich einfach nicht schaffen über eine Lücke von 30 cm mal eben zu hüpfen. Nun lag ich auf der Liege und ich sagte ihr das ich Angst habe nicht mehr wach zu werden und ob meine Tochter wirklich tot zur Welt kommen würde? "Na Kindchen, was glaubst Du? Klar wird sie tot sein und wenn Du nicht mehr wach wirst, daß merkst Du sowieso nicht mehr!" Wie sprach diese Frau mit mir? Hatte sie vergessen, daß dort kein Kind liegt sondern eine Erwachsene Frau? Ich war leider unfähig sie in ihre Schranken zu weisen, denn dafür hatte ich einfach keinen Kopf. Man schob mich dann in den Op und kriegte es erst nicht auf die Reihe, daß die Liege in ihre Führungsschienen einrastete, was mir große Schmerzen bereitete. Eine Schwester kam und fragte was ich da in der Hand hielt und ich sagte ihr das das mein Schutzengel ist und das ich es erlaubt bekommen habe ihn mitzunehmen. Ich sagte ihr auch das ich Angst habe das er mir aus der Hand fällt, wenn ich in Narkose liege und sie sagte: "Dagegen haben wir einen tollen Trick. Machen sie mal eine Faust!" Dann zog sie mir einen Handschuh über und sagte,daß ich ihn nun nicht mehr verlieren könnte und er mich die ganze Zeit beschützen würde. Sie diskutierten noch darüber welche Narkose ich bekommen sollte und es hieß wohl das ich eine Gasnarkose bekommen sollte, aber dafür wäre ich nicht weit genug. Was das zu bedeuten hatte weiß ich nicht. Er setzte mir eine Maske auf und ich sollte tief einatmen, daß wäre zur vorbereitung für die Narkose. Ich kriegte nur schwer Luft, da durch das weinen meine Nase völlig zu war und ich durch den Mund auch nicht rchtig Luft holen konnte, da der Mund so trocken war und ich nahe der Brechgrenze war. aber irgendwie schaffte ich es trotzdem, nur dann juckte meine Nase und der Arzt bekam es anfangs nicht mit. Ich konnte mich dann noch kratzen und mehr weiß ich nicht mehr. Ich bin dann irgendwann im Aufwachraum wach geworden und habe nach etwas zu trinken gebeten. Das vergass die Schwester aber und ich erinnerte sie dann nochmal daran. Neben mir weiß ich noch lag ein Mann und gegenüber war eine halbhohe Mauer und scheinbar befanden sich dahinter noch weitere Betten. Sie schoben mich dann irgendwann hoch, aber daran kann ich mich auch nicht mehr erinnern. Oben auf dem Zimmer waren dann auch schon alle da und auch die Pastorin war da. Björn, Mama und Steffi sind dann nach unten gegangen und haben Levana aus dem Kreissaal abgeholt, denn ich wollte mein Kind sehen und mich verabschieden. Levana lag in einem Weidekorb welches mit einem grünen Tuch abgedeckt war. Oben angekommen gab mir einer dann mein Kind, wer es war weiß ich nicht mehr. Ich fing bitterlich an zu weinen. Ich sah auch nicht als erstes ihre Behinderungen,sondern ihr liebes, kleines und ach so perfektes Gesichtchen. Frau W. taufte dann Levana und sagte auch,daß wir sie erst einmal Willkommen heißen wollen, bevor wir sie wieder verabschieden. Ich habe sehr viele Dinge nur noch Bruchstückchenhaft in Erinnerung1 Irgendwann ging die Pastorin dann und wir waren wieder alleine. Ich glaube meine Mutter und meine Schwester sind dann irgendwann auch nach Hause gefahren und ich habe zu Björn gesagt, daß er doch seine Mama anrufen soll,ob sie ihre Enkelin sehen möchte. Sie war sehr froh über den Anruf,denn sie traute sich nicht zu fragen, ob sie kommen darf. Wir haben viele Bilder von Levana gemacht. Später kam noch Ute die Hebamme und zog mir Levana an. Björn glaube ich brachte sie dann hinterher wieder runter in den Kreissaal. Am nächsten Tag hatte ich nochmal die Gelegenheit mich zu verabschieden, denn um 14 Uhr glaube ich sollte Levana abgeholt werden. Ich ging dann nach unten und holte sie ab. Im Aufzug hörte ich die Leute tuscheln,daß wohl in dem Körbchen ein totes Baby war. Ja das war es, aber das gerede der Menschen war mir egal. ich ging hoch und schaute mir wieder meine Tochter sehr intensiv an. Es war die letzte Möglichkeit. Später kam dann meine Mutter noch vorbei und wir machten noch mehr Bilder. Ich war froh das sie da war, denn ich mußte sie bald wieder zurück bringen und ich war froh das ich das nicht alleine machen mußte. Wir gingen also runter und als ich sie der Hebamme überrechte brach ich wieder in Tränen aus. Ein Frau die da saß schaute mich auch sehr dumm an. Früher hätte mich sowas gestört und ich hätte die Tränen unterdrückt,aber hier war mir alles egal. Mir war es egal was die Leute über mich dachten. Sie sah ich da und danach nie wieder und schließlich habe ich einen geliebten menschen verloren, denn ich leider nicht näher kennenlernen durfte außer in den 19 Wochen in meinem Bauch. Ich hatte noch einige Gespräche mit der Seelsorgerin und die Ärzte wollten mich eigentlich an diesem Tag entlassen, aber ich bat darum noch einen Tag länger da bleiben zu dürfen,was auch kein Problem war. Am nächsten Tag hat mich dann meine Mutter mit Leon abgeholt, der in der Zet bei meiner Freundin unter gekommen war. Weiter unter " Die Zeit danach"
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