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Kai-Uwe Götz: Lyriker und Photograph


 

 Schreiben

Ich habe geschrieben. Und ich schreibe. Ich lade zum Festmahl der geschriebenen Barbarei. Ich schreibe undefinierte Wörter, verschwommene Empfindungen, unausgesprochenen Haß, nichteingestandene Liebe. Ich schreibe vom unvollendeten Leben, ewig währenden Ängsten, der Schlaflosigkeit der Seele, dem Innersten der Wesen. Ich schreibe den Tod in einer schönen Pose. Ich schreibe das Begehren, das Fortbestehen der Art. Ich schreibe den Alptraum in mir, in dir, in uns. Ich schreibe die schwarzen Gedanken, die unausgesprochenen Wahrheiten.
Schreiben, schreiben, schreiben. Ich schreibe wider meinen Wahnsinn. Im Wettlauf mit seinem Fortschreiten. Ich schreibe den Verrat, meinen, deinen, der uns für Minuten befreit. Ich schreibe den Terror, den rasenden, tobenden, zerstörenden, reinigenden.
Ich schreibe in den Abgrund hinein – unwiderstehlich. Ich schreibe die immer währende Sehnsucht. Ich schreibe die Sucht geliebt zu werden.
Ich schreibe das Versagen der Wörter und glaube doch an ihre Macht. Ich schreibe den Don Quijote – jeden Tag neu. Ich schreibe mein Gefängnis, meine Hilflosigkeit, mein Verstummen, mein Schweigen.
Ich schreibe den mich verfolgenden Fluch, die Vertreibung aus dem Innersten aller Paradiese. Ich schreibe Zärtlichkeiten, sanft wie der erste Südwind im Juni der mich ahnen läßt. Ich schreibe die Poesie des Teufels. Ich schreibe mich in den Tod.
Ich sehe schreibend, höre schreibend, denke schreibend, fühle schreibend. Schreiben – immer wieder schreiben. Schreibe den Untergang meiner Seele. Schreibe mich fort von meinem Ich und doch tief in ihm hinein. Ich schreibe den Uroboros und die Worte leben – doch schreibend töte ich sie.
Ich habe mich über die Grenze geschrieben und kann mich nicht zurückschreiben. Ich schreibe meine Einsamkeit, meine Zweisamkeit.
Alles was ich tue ist schreiben. Aber bei diesem Schreiben – so geschrieben, daß es fast ein Schrei ist – habe ich den Widerschein meiner selbst entdeckt .... und ich schreibe ....




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