Jedes Jahr zur Herbst/Winterzeit ist Sechstagezeit angesagt. Tausende Fans zieht es in die Radsporthallen. Am bekanntesten sind Amsterdam, Rotterdam, Gent , Zürich, Dortmund, München,Stuttgart, Bremen und Berlin.
Ursprünglich mussten die Teams alle 6 Tage und Nächte auf dem Rad bleiben, zumindest ein Fahrer zog seine Bahn. Das führte zu zeitungslesenden müden Sportlern, die nicht mehr so ihr Publikum fesseln konnten. Nun werden die Rennen meist donnerstags gegen 20.00 Uhr angeschossen (gestartet) und enden mit dem Finale am Dienstag gegen 24.00 Uhr. Sonnabend ist meist die Lange Nacht angesagt, bis 3.00 Uhr sind die Sportler oft auf der Bahn. Viele Veranstalter bieten den Familiensonntag an, der bereits um 10.00 Uhr beginnt.
Die Sechstagerennen ziehen viele mit ihren Veranstaltungen abseits des sportlichen Geschehens in den Bann - Musik, reichlich Getränke und Essen, berühmte Bands und Tanz lassen so manchen Besucher vergessen, wo er eigentlich ist.
In den Radsporthallen aber ist nicht tote Hose - hier sind die wahren Fans zu finden. Viele hält es nicht auf den Plätzen, sondern sie sind so nahe wie möglich im Innenraum an der Bande dabei, spüren den Fahrtwind hautnah. Mit Trillerpfeifen bewaffnet zieht der echte Fan ein, steht sich die Beine in den Bauch, jagt in den Pausen nach Autogrammen seiner Stars und so mancher geht stolz mit einem der Siegersträuße nach Hause.
Berlin - Bremen -München - Dortmund - Stuttgart ---- wo ist DIE Sechstageweltmeisterschaft und DIE Sechstagestadt schlechthin?
In Stuttgart starten in einem Team drei Sportler. 2008 fand in Stuttgart kein Sechstagerennen statt.
In Bremen ist die Bahn recht klein und Rundengewinne sind relativ schnell heraus gefahren. Schön für den Fan: So dicht wie hier kommt man selten an die Fahrer heran.
In Berlin können alle Fans den Sportpalastwalzer lautstark mitpfeifen, den "Krücke", ein Berliner Radsport-fan-original, einst im alten Berliner Sportpalast pfiff und somit zu der Erkennungsmusik dieses sportlichen Höhepunktes machte.
Ich denke, jeder der Austragungsorte hat seine Besonderheiten - letztendlich machen die sportlichen Leistungen und die Begeisterung der Fans das Ganz erst rund.
Jede Zeit hat ihre Helden. Teams wurden der Inbegriff des Sechstagerennens : Ganz besonders Risi/ Betschart, Slippens/ Stam , aber auch Kappes/Beikirch waren es einmal, Etienne de Wilde ist noch vielen ebenso ein Begriff wie Jimmy Madsen , Carsten Wolf u.v.a.m. Aber viele Helden geraten im Strudel der Zeit schnell in Vergessenheit.
Besonders in Berlin zählt nun seit einigen Jahren Robert Bartko zu den "Zugpferden". Manche Straßenfahrer lassen es sich nicht nehmen, auf der Bahn die Runden zu drehen, jedoch solche Asse wie z.B. Jens Voigt können dem Herumsausen ohne Bremse und Gangschaltung nicht viel abgewinnen. Auch Lance Amtrong konnte sich nie vorstellen, sich so etwas anzutun. Erik Zabel (auch einige Male Roberts Partner) gehört wie Rolf Aldag (in Berlin 2006 Partner von Robert Bartko) zu denen, die sich dieser Herausforderung stellen: Erik Zabel wird in Berlin 2009 sein letztes Sechstagerennen fahren - im Duo mit Robert Bartko.
Da es nicht so ganz einfach ist, dem Renngeschehen zu folgen, einige Erläuterungen:
Vorn ist nicht immer da, wo man denkt - und hinten kann ganz in der Mitte sein.
HÄ???
In der Rundenhatz sind schnell einige Teams überholt. Spätestens dann kommt das große Grübeln : Wer ist vorn? Ohne den Hallensprecher ist es für den Ungeübten schwierig, die Übersicht zu behalten.
Gejagt wird, was die Reifen halten.
Die kleine Jagd : meist über 45 Minuten
Die große Jagd : meist über 90 Minuten
Die Regeln sind die des Madison. Rundengewinn geht vor Punktgewinn. Meisterleistung ist die Doublette, das heißt Punkt- und Rundengewinn. Das führte z.B. Robert Bartko und Guido Fulst zum Sieg beim Berliner Sechstagerennen 2005.
Rundenrekordfahren:
Nur ein Team auf der Bahn, einer fährt an (also vorn) , so wird Tempo aufgenommen, um dann eben die schnellste Rundenzeit heraus zufahren. Dieses Rundenrekordfahren wird nicht hintereinander von allen Teams durchgeführt, sondern in mehreren Wettbewerben.
Derny-Rennen:
Hier kommen nun die Männer auf den kleinen "Knattergeräten" zum Einsatz, erfahrene Schrittmacher wie Joop Ziljard (Foto oben re). Die Sportler versuchen nun, so dicht wie möglich hinter ihrem Derny zu fahren, das ihnen den Windschatten bietet und so ermöglicht, noch höhere Geschwindigkeiten auf dem Rad zu erreichen. Daher sind viele Dernyfahrer auch etwas korpulenter. Erfahrene Dernyfahrer sind wichtig für die Siegeschance. Mit HEI und HO wird der Schrittmacher "gesteuert". Und wenn Joop seine Faust rausreckt, dann weiß jeder Fan: Nun geht die Post ab und durchs Gebirge (also oben an der Bande entlang), wird nun das Fahrerfeld überrollt. Auch Bruno Walrave, der auch als "Kraftfahrer" im Steherwettbewerb zu den Besten gehört, ist bei vielen Sechstagerennen sozusagen in Front.
Ausscheidungsrennen:
Ist ganz einfach erklärt: Jeweils der letzte auf der Ziellinie nach dem Glockenzeichen (nach einer bestimmten Rundenanzahl) scheidet aus. Die letzten drei machen schließlich das Rennen unter sich aus.
Nach jedem Wettbewerb gibt es eine Siegerehrung. So zum Beispiel hier .
Jedes Rennen bringt eine bestimmte Punktzahl. Diese wird addiert. Überschreitet ein Team 100 Punkte, so erfolgt eine Rundengutschrift. Sieger des Sechstagerennes ist das Team in der Null-runde mit den meisten Punkten.
Das "Rummelgeschehen" läßt manchen Kritik am sportlichen Wert der Veranstaltung äußern, doch wer die Fakten der Wettbewerbe sich anschaut, muss schon zugeben, dass hier sportliche Höchstleistungen geboten werden. Höchstgeschwindigkeiten um die 80 km/h sind keine Seltenheit. Und wer 90 Minuten mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von über 50 km/h seine Runden auf einem Fahrrad ohne Gangschaltung und Bremsen dreht, gehört garantiert nicht in die Kategorie der Sport-möchtegerne. Ausreichend Kilometer werden während eines Sechstagerennes auch gemacht. Volle Konzentration ist im Gewühle ebenfalls erforderlich, richtiger Krafteinsatz und Timing beim Schleudergriff sind genauso notwendig wie Taktik und Strategie beim Angriff und Aufbau des eigenen Rennens.
Im übrigen, bei der Tour de France ist auch so einiges am Rande los- nur mal so angemerkt....
Alle Sechstagerennen Saison 2007/2008