Himmlische Überaschungs-Eier
Frühlingszeit
doch weit und breit
auf Feldern und auf Fluren
sieht man nur Winters Spuren
Im Mühlbach und im Karpfenteich
wurde die Eisschicht nicht mal weich;
und jeder kahle Baum
schläft starr im Wintertraum.
Palmsonntag läuten Kirchenglocken,
am Acker friert der Winter-Roggen,
die Leute laufen pelzvermummt,
dem Gockel ist der Kropf verstummt.

Den Hühnern fällt das Gackern schwer,
sie legen keine Eier mehr,
und sitzen da und schauen bange
aufgeplustert von der Stange.
Der Bauer Bartl schließlich spricht:
„Dass Gott erbarm’, so geht das nicht!
Denn vor der Osterfeier
braucht’s Osterhäslein Eier.“

Die Miezi darf für immer
ins noble Sonntagszimmer.
Dort, in der alten Wiege,
ist ihre Katzenliege.
Geranienkästen voller Heu
als Lege-Nester - das ist neu!
Am Ofenstangerl warm und trocken
auf einmal lauter Hühner hocken.
Der Gockel kräht - und 1, 2, 3
legt jedes Huhn das erste Ei.
Der Bauer sammelt alle ein
und legt sie in den Korb hinein.
Jetzt, will dem braven Landmann frommen,
könne der Osterhase kommen.
Er wartet bis Gründonnerstag,
dann stellt er sich die bange Frag’,
wo denn der Eiermaler bleibt,
während es draußen stürmt und schneit.
Karfreitag läuten alle Glocken -
da ist Sankt Niklaus aufgebrochen,
und fährt Galopp durch Winters Reich.
Er sieht den Bartl käsebleich
mit Eierkorb am Waldrand steh’n
und um des Himmels Gnade fleh’n.
„Wo willst Du hin?“ fragt Nikolaus,
„gern fahr’ ich Dich zu jedem Haus.“
Der Bauer starrt den Heil’gen an
und schüttelt seinen Kopf sodann:
„Wir haben Ostern, will mir frommen,
da sollt’ der Osterhase kommen!
- doch ist der noch nicht aufgetaucht -
ob der sich wohl ein Bein verstaucht?
„Auf Ostern klirrt ein solcher Frost?
Was das die Menschen Heizung kost!
Und ich erheb’ die müden Knochen,
hab’ meine Ruhe unterbrochen,
weil Petrus, dieser Wettermann,
nichtmal Kalender lesen kann!“
Niklaus ist grantig ob der Plage.
Doch Bartl stellt ‘ne andre Frage:
„Wo ist des Osterhasen Nest?
Wo malt er für das Osterfest
die Ostereier bunt und schön?
Ich kann ihn leider nirgends seh’n!“
„Den Osterhasen find’st Du nicht,
das ist ‘ne andere Geschicht’...
Für die Bemalung werd’ ich sorgen,
und Osterhas’ kommt übermorgen!“
Der Bauer Bartl ist ganz Ohr,
denkt: „Heiliges Kanonenrohr!
Das wird’ ein himmlisch’ Ostern wer’n,
mit Tannenzweig und Weihnachtsstern!“
Doch all’ die weißen Eierschalen
könnt’ er allein niemals bemalen...
Der Niklaus steckt den Eierpack
in seinen großen Gabensack
und fährt in Windeseile
so manche Schneesturm-Meile
bis hin zu Winters Eispalast,
wo er vor Empörung rast.
Der Frost und auch der raue Wind
verziehen sich darauf geschwind.
das Eis ist plötzlich aufgetaut,
der Frühling hat sich her getraut,
spendet der Erde reichlich Segen
mit buntem, zartem Blütenregen.
Petrus von der Himmelspforte
fand zu all dem keine Worte.
Doch Niklaus macht mit lautem Krach
seine kleinen Helfer wach:
„Hurtig, Englein, müsst Euch sputen!
Heute brauch’ ich keine Ruten,
auch kein Honigkuchen-Herz.
Seht, das ist bestimmt kein Scherz.
All die Eier sollt ihr lochen,
fünf Minuten genau kochen,
danach rundherum bemalen.
Fettet mir darauf die Schalen,
legt die Eier Stück für Stück
sorgsam in den Korb zurück."
Nikolaus voll Freud’ und Wonne
weckt vom Winterschlaf die Sonne,
und beschwört sie: „Strahle heiß,
damit jeder Käfer weiß,
dass der Frühling über Nacht
uns beschenkt mit seiner Pracht."
Auf einer Alm in Bergeshöh’
erwacht der Osterhas’, Juchhee
Und neben seinem Krippenbett
steht prall gefüllt und sehr adrett
ein riesengroßer Korb voll Eier,
geschmückt, wie für ‘ne Weihnachtsfeier.
Da lacht der Has’ - in seinem Leben
hat’s so etwas noch nie gegeben...

Schnell hoppelt er in jeden Garten
– denn Kinder lässt man doch nicht warten –
baut Nester in geheimen Ecken,
um all die Eier zu verstecken.
Ein großes Schokoladen-Ei
für Bauer Bartl ist dabei.
Der hat dem Osterhas’ erzählt,
wie sich die ganze Sach’ verhält.
Am Montag, vor Sankt Niklaus’ Haus
steht ein schöner Osterstrauß.
Und auf der lila Schleife prangt:
„Der Osterhas’ Euch herzlich dankt!“
Die Englein fanden, ─ welch ein Fest ─
ein echtes Osterhasen-Nest.
Da haben sie vor Freud gesungen,
bis zur Erde hat’s geklungen.
