Forum für Berner Sennenhunde und ihre Menschen
Erziehung
Die Erziehung des Hundes
Vorausgeschickt sei: das hier ist auf keinen Fall ein „Kochrezept“ zur Erziehung des
Hundes. Es soll ein Ratgeber sein und ersetzt keine gute Hundeschule, die man vor allem
als Ersthundebesitzer auf jeden Fall besuchen sollte.
Es vereinfacht die Erziehung und den gesamten Umgang mit dem Hund, wenn man eine
gemeinsame Sprache spricht. Nun können Hunde keine Sprache erlernen. Sie können zwar
immer wieder wiederholte Worte mit einem bestimmten Kommando verbinden (Sitz,
Platz, Komm etc.) sie verstehen aber nicht die Sprache. Stellen Sie sich einmal vor ihren
Hund und erzählen ihm mit hoher, freundlicher Stimme was für eine „Saubacke“ er ist. Er
wird freudig vor Ihnen wedeln und sich freuen. Genauso umgekehrt. Loben sie ihn mit
tiefer, böser Stimme. Der Hund wird sich ducken oder abwenden. Er versteht die Worte
nicht, nur die Stimmlage. Nun ist es für einen Menschen genauso unmöglich, die
„verbale“ Verständigung mit dem Hund zu erlernen.
Hunde untereinander „reden“ aber in erster Linie mit der Körpersprache. Alleine mit ihrer
Mimik können sie 40-mal soviel ausdrücken wir ein Mensch. Beobachten sie einmal
Hunde untereinander. Sie werden sehen, wie vielfältig Hunde körperlich miteinander
„reden“. Als Mensch bin ich in der Lage, diese Sprache zu erlernen. Das erleichtert mir
den Umgang mit meinem Hund enorm.
1. Wann beginnt die Erziehung?
Die Erziehung beginnt bereits nach der Geburt durch die Mutter. Werden dann die Kleinen
mobil, übernimmt auch der Mensch (Züchter) Erziehungsaufgaben. Der Welpe muss
lernen, dass Möbel nicht zum Knabbern da sind, dass in Beine etc. nicht hineingebissen
wird, dass Mülleimer keine Selbstbedienungsrestaurants sind und und und…
Kommt der Welpe dann zum neuen Besitzer, wird sofort mit der Erziehung weiter
gemacht.
2. Wie erziehe ich meinen Welpen?
a) generell:
Der Welpe darf auf keinen Fall zur Bestrafung geschüttelt werden. Es ist ein
leider weit verbreitetes Ammenmärchen, dass Hundemütter das auch mit
ihren Jungen machen. Nackenbiss und Schütteln benutzt ein Hund zum
Töten, niemals zur Bestrafung der Welpen. Wird ein Welpe geschüttelt, knallt
sein Gehirn an die Schädelknochen. Im schlimmsten Fall kommt es zu
Hirnblutungen und der Welpe stirbt!!!!! Auf jeden Fall kommt es aber zu
einer Gehirnerschütterung, die je nach Schütteln mehr oder weniger stark
ausgeprägt ist.
Man muss sich von Anfang an klar machen, dass aus dem knuddeligen kleinen
Wicht ein mehr oder weniger großer Hund wird bei dem es dann gar nicht mehr witzig ist,
wenn er Menschen anspringt, den Mülleimer ausräumt, sich auf dem Sofa breit macht und
keinen anderen mehr darauf lässt…….
Jedes unerwünschte Verhalten wird mit einem ernsten „Pfui“ bestraft. Gleichzeitig wird
Welpe aus der „Gefahrenzone“ herausgenommen. Wie oft man das wiederholen muss,
hängt vom Charakter des Hundes ab. Bei Einigen reicht eine einmalige „Bestrafung“,
andere brauchen zig Wiederholungen bis sie begreifen: „das darf ich nicht“. Der Welpe
soll nicht angebrüllt werden. Es reicht, wenn das „Pfui“ mit tiefer Stimme und wirklich
ernst gemeint gesprochen wird.
Die beste Erziehung erzielt man durch positive Bestärkung. Das bedeutet: Mein Welpe
beißt in das Tischbein. Auf „Pfui“ hört er sofort auf und ich lobe ihn überschwänglich mit
hoher Stimme, spiele mit ihm, gebe ihm ein Leckerli etc. (die Belohnungsmöglichkeiten
sind vielfältig und hängen von den Vorlieben des Welpen ab.) In der Anfangszeit wird
es viele, viele „Pfuis“ geben, da der Welpe ja nicht wissen kann, was erlaubt ist und was
nicht.
c) Kommandos beibringen:
Es gibt zwei Kommandos, die jeder Hund können sollte. Das eine ist das „Komm“, das
andere ein Sitz oder Platz in der Entfernung. Beide Kommandos können ihrem Hund das
Leben retten. Stellen Sie sich vor, Sie gehen Gassi. Ihr Hund läuft 20 – 30m vor Ihnen.
Plötzlich sehen Sie aus einem Feldweg einen Trecker kommen. Jetzt gibt es zwei Möglich-
keiten. Entweder sie rufen Ihren Hund zu sich (Komm, Hierher, Hiiiiiiiiiiiiiier oder was
immer Sie dafür auch verwenden wollen) oder Sie geben ihm den Befehl sich zu setzen
(Sitz) oder zu legen (Platz, down, leg dich). Der Hund hat diesen Befehl sofort und auf der
Stelle auszuführen und erst wieder aufzulösen, wenn ich es ihm gestatte. Wie aber bringe
ich dem Hund nun bei, was er zu tun hat.
Für alle Kommandos gilt: Erst üben mit Sichtzeichen. Wird das Kommando auf Sicht-
zeichen sicher ausgeführt, kommt erst das Sichtzeichen und dann das entsprechende
Wort (Sitz, Platz etc.). Nach und nach wird der Abstand zwischen Sichtzeichen und
Wort verkürzt bis Wort und Sichtzeichen gleichzeitig erfolgen. Nun kommt erst das
Wort und sofort danach das Sichtzeichen gegeben. Der Abstand zwischen Wort und
Sichtzeichen wird nun verlängert, bis das Sichtzeichen weggelassen werden kann und
der Hund sicher nur auf das gesprochene Kommando reagiert.
„Komm“
Mein Welpe befindet sich irgendwo im Zimmer. Ich hocke mich hin. In den allermeisten
Fällen wird der Welpe jetzt zu mir laufen um zu sehen, was denn da passiert. Wenn er
bei mir ist, lobe ich ihn (das kann nur mit Worten sein, Spielen, Streicheln, Leckerli).
Kommt er nicht, mache ich mich interessant (hohe quietschende Töne, spielen mit einem
Spielzeug, so tun als ob man etwas isst). Spätestens dann wird der Welpe kommen, denn er
ist von Natur aus neugierig. Ich benutze noch kein Kommando, nur diese Körpersprache.
Dieses „Spiel“ wiederhole ich immer wieder, in verschiedenen Räumen, auf verschiedenen
Fußböden , draußen, auf der Wiese, im Wald etc. Draußen „arbeite“ ich aber nur dann
ohne Leine, wenn sichergestellt ist, dass dem Hund keinerlei Gefahr droht. Ansonsten
nehme ich eine lange Leine (nicht unter 10m) und hocke mich hin, bevor der Hund sich
soweit entfernt, dass die Leine straff ist. Es wird nicht lange dauern und der Welpe hat
begriffen, wenn Frauchen/Herrchen sich hinhockt, wird es spannend. Nun baue ich auch
Wort mit ein. Erst wenn der Welpe fast bei mir ist und ich sicher bin, dass er nicht mehr
nach links oder rechts abbiegt, sage ich das Wort. Auch das wird überall wiederholt. Der
Abstand von Hinhocken und Kommando geben wird immer kürzer, bis ich gleichzeitig
Hocke und Kommando gebe. Dann kommt zuerst das Kommando und 1 -2 Sek. später
gehe ich in die Hocke. Nun wird der Abstand zwischen Kommando und Hocken
verlängert, bis ich nur noch das Kommando gebe und der Hund kommt. Das Einüben
von Kommandos soll ohne Ablenkung durch andere Hunde oder Menschen erfolgen.
Erst, wenn das Kommando sicher ist, kommt die Ablenkung dazu.
„Sitz“
Das „Sitz“ ist kann jeder Welpe (es sei denn, er ist von Hand aufgezogen worden) wenn
er zu ihnen nach Hause kommt. Wenn Welpen so ca 4 Wochen alt sind, beginnt die Mutter
sie im Stehen zu säugen. Die Welpen kommen nun nur noch an die Zitzen, wenn sie sich
setzen. Sie lernen. Halten sie einmal einem Welpen ein Leckerli vor. Er wird sich von
ganz alleine setzen. Nun brauchen sie nichts weiter zu tun, als das Vorhalten des Leckerlis
mit einem Handzeichen zu kombinieren. Die meisten Hundebesitzer benutzen den
erhobenen Zeigefinger. In dem Moment, in dem der Welpe sitzt, wird er belohnt. Auch hier
kommt das Wort erst dann, wenn der Welpe das „Sitz“ sicher mit dem Sichtzeichen
ausführt.
„Platz“
Auch hierbei wird wieder zuerst nur mit Sichtzeichen gearbeitet.
Sie nehmen ein Leckerli in die flache Hand (mit dem Daumen festklemmen), zeigen es
dem Welpen und legen die Hand vor den Welpen flach auf den Boden. Der Welpe wird
versuchen, irgendwie an das Leckerli heranzukommen. Irgendwann wird er sich dabei auch
hinlegen. In dem Moment, in dem der Bauch den Boden berührt, wird das Leckerli frei
gegeben und überschwänglich gelobt. Es wird nicht lange dauern, und der Welpe legt sich
bereits, wenn die flache Hand Richtung Boden geht.
Auch bei diesem Kommando gilt, erst wenn der Welpe sicher auf das Sichtzeichen reagiert,
wird das Wort (Platz oder down oder leg dich oder…) eingeführt. Das weitere Vorgehen
wie bereits oben beschrieben.
Ein Hund braucht im Schnitt 50 Wiederholungen in verschiedenen Situationen, bis er ein
Kommando verknüpft hat (verknüpfen bedeutet: Ich gebe ein Kommando und der Hund
weiß, was er machen soll). Es gibt Hunde, die brauchen nur 20 Wiederholungen und
Hunde, die brauchen 100 Wiederholungen. Erst, wenn ganz sicher ist, dass der Hund
weiß, was Sie von ihm wollen, dürfen Sie von ihm verlangen, dass das gegebene
Kommando ausgeführt wird. Sicher ist ein Kommando dann, wenn Sie es mit dem Rücken
zum Hund, auf dem Tisch stehend, auf dem Boden liegend aussprechen und der Hund
führt das Kommando aus. Erst dann, darf ein Verweigern auch bestraft werden. Das
heißt nicht, dass Sie Ihren Hund verprügeln sollen. Bestrafen Sie ihn artgerecht. Entweder
mit Schnauzgriff (Sie greifen dem Hund von oben über die Schnauze) oder durch „beißen“
- was nicht heißt, dass Sie ihren Hund wirklich beißen sollen. Sie kneifen mit allen 5
Fingern fest in den hinteren Schenkel. Das sollte man aber vorher mit einem Menschen
üben. Erst wenn der Mensch „autscht“, ist das „Beißen“ fest genug.
Ich habe mir die drei gängigsten Kommandos herausgesucht. Jedes Kommando, das Sie
Hund beibringen wollen, kann auf die oben beschriebene Methode eingeübt werden. Sie
müssen sich klar machen, dass solche Kommandos nichts weiter sind als „Zirkuskunst-
stückchen“. Gehen sie mit Freude und Spaß ans Üben und Ihr Welpe wird Ihnen willig
folgen weil ihm die Beschäftigung mit Ihnen Spaß macht. Brüllen Sie nicht, Ihr Hund hört
sehr gut und weiß überhaupt nicht, warum Sie so sauer sind (laut ist für den Hund = böse).
Stellen sie sich vor, sie wollen Ihrem Hund „Männchen“ beibringen. Haben Sie schon
einmal einen Hundebesitzer gesehen, der vor seinem Hund steht und brüllt:
mach Männchen
mach Männchen
MACH MÄNNCHEN
ICH HABE GESAGT DU SOLLST MÄNNCHEN MACHEN!!!!!!!!
sicher nicht. „Männchen“ machen ist „halt nur zum Spaß“ und keinem Hundebesitzer
wirklich wichtig und gerade deshalb klappt es meistens besonders gut. Der Hundebesitzer
bleibt beim Üben gelassen und freundlich. Es ist aber völlig egal, was Sie vom Hund
verlangen, der Hund hat das gegebene Kommando auszuführen. Für ihn macht es keinen
Unterschied, ob Platz, Sitz oder Männchen verlangt wird. Je mehr Spaß Sie bei der
Unterordnung haben, desto besser wird sie klappen.
Noch etwas zum Schluss. Kein Erziehungsbuch, keine Beschreibungen sind durch eine
gute Hundeschule zu ersetzen. Nur ein guter Hundetrainer sieht, wo Sie eventuell Fehler
machen, wie man eventuell anders ansetzen kann.
Ich empfehle hier noch einen Link, der mir persönlich sehr im Umgang mit den Hunden
geholfen hat. Den Artikel hat Anita Balser von der Hunde-Teamschule
Anita Balser vergleicht die Erziehung des Hundes mit dem Bau eines Hauses. Man kann
nicht mit dem Dach anfangen und auch nicht mit dem ersten Stock. Aber lesen Sie selbst.
Ein Hund kann bis ins hohe Alter lernen. Je älter ein Hund ist, desto länger dauert es, aber
erziehen kann man einen Hund immer.
Viel Spaß mit Ihrem neuen Hausgenossen.
©Monika Kreisel