Forum für Berner Sennenhunde und ihre Menschen

Die Entwicklung eines Welpen

 

In den ersten Lebenstagen schläft der Welpe zu 90% und die übrige Zeit verbringt er damit die Zitzen seiner Mutter zu suchen. Der Welpe kommt ohne Zähne zur Welt. Nach 3-4 Wochen fängt er dann an seine Umgebung zu erforschen und zu spielen. Das ist auch die Zeit in der die Milchschneidezähne anfangen durchzubrechen, mit 6 Wochen sollte dann  das Milchgebiss mit insgesamt 28 Zähnen komplett ausgebildet sein. In der Folgezeit durchlebt er die Phase seiner Sozialisation, die ihn stark für die Zukunft prägt.

Vegetative Phase (1. und 2. Woche)
Mit ihrem Austritt aus dem schützenden Mutterleib beginnt für die Welpen das Leben in dieser Welt. Nun wird er von seiner Mama „geputzt“
Sobald ihn die mütterliche Zunge freigibt, kriecht der Welpe „instinktiv“ auf dem Bauch zu den Zitzen der Mutter und nach einiger Zeit des Suchens findet er sie auch schon.
Er wird mit verschlossenen Ohren und Augenlidern geboren, auch ist sein Geruchssinn noch nicht wesentlich ausgebildet.
Wie findet er zu den Zitzen? Wieso weiß er, was er tun muss?
Instinkt?
Die Verhaltensforschung hat das etwas vieldeutige Wort Instinkt durch den
Begriff der Erbkoordinationen ersetzt.
Eine Erbkoordination ist eine erblich festgelegte Bewegungsweise, die von
bestimmten Umweltsituationen ausgelöst wird und dann zwanghaft abläuft.
Solche Auslöser nennt man »Schlüsselreize«  
Ein Beispiel:
Die Zitze ist für den Welpen so ein Schlüsselreiz.
Wird sie ihm über Sinnesorgane - in diesem Fall durch den Tastsinn - signalisiert, löst das eine Erbkoordination aus, nämlich das Umfassen der Zitze mit Maul.
Aber schon wirkt dieser neue Berührungsreiz als Schlüsselreiz, der eine Blockade
aufhebt, das Saugen folgt.
 
Der Welpe bringt nichts anderes mit auf die Welt, als einige wenige angeborene Bewegungsweisen und die Lautäußerungen.
Ein Schlüsselreiz für die Mutter ist wenn der Welpe Laut gibt, weil ihm irgendetwas unangenehm ist, sie wendet sich sofort dem Welpen zu.
Er wird gleich wieder still, wenn er Wärme und Anlehnung findet, sei es am
mütterlichen Körper, oder inmitten seiner Geschwister.
Er schreit, wenn er von seiner Zitze verdrängt wird, und beruhigt sich sofort, wenn er sie wieder hat oder eine andere findet, hier hilft dann oft die Mutter mit ihrer Nase, indem sie den ihn in die richtige Position schiebt.
In der Vegetativen Phase ist der ganze Lebensinhalt auf Gewichtszunahme des Welpen
abgestimmt: Er verdreifacht jetzt sein Geburtsgewicht.
Alle wenigen Verhaltensweisen, die wir am neugeborenen Welpen beobachten können, haben ihren Sitz im verlängerten Rückenmark und im Zwischenhirn.
Das sind die ältesten Gehirnanteile, gleichsam die Basis für das übrige Gehirn, das
jenen Anteilen aufgelauert ist und das zur Stunde der Geburt kaum noch arbeitet.
Aber bereits hier gibt es ein Lernvermögen:
Der Ausdruck "Vegetativ" für diese Phase könnte nicht besser gewählt sein.
Es ist wirklich nichts anderes als eine Fortsetzung des unbewussten Lebens im Bauch des Muttertieres.
 
Die Übergangsphase (3. Woche)
Am 13. Lebenstag öffnen sich in der Regel Lidspalten und äußere Gehörgänge, doch
ändert sich damit für den Welpen zunächst noch nichts.
Um den 17. oder 18. Lebenstag entwickelt sich erst die Sehfähigkeit der Augen und
ist erst noch recht unvollkommen und übt sich den Folgetagen erst in richtig ein.
Genauso ist es mit dem Gehör und auch die Nase scheint jetzt erst so richtig zu
Erwachen, denn man kann zu dieser zeit beobachten, wie die Welpen beginnen nun alles mit der Nase zu untersuchen vor allem die Geschwister, mit denen so
erste Kontakte aufgenommen werden.
Auch kann man so um den 17. Lebenstag, das erste gegenseitige Belecken beobachten.
Es ist ein verhältnismäßig schneller Übergang (Übergangsphase) vom reinen, völlig selbstbezogenem Saug- und Schlafstadium zum aktiven Entdecken der engeren Umwelt und zur ersten Kontaktaufnahme mit den Geschwistern.
Bis einschließlich des 20. Tages sind die Welpen immer noch an das Lager
gebunden und fühlen sich in ihm so sicher und geborgen, dass sie keinerlei
Angstreaktionen kennen.
Greifen wir mit der Hand in den Welpenknäuel, so wird sofort die neu erworbene
Fähigkeit des Erkundens eingesetzt: Sie schnuppern, lecken und nehmen einzelne Finger ins Maul. Das Lager ist für sie die Welt, und alles was da hineinkommt, gehört einfach in diese Welt.
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Die Prägungsphase (4. bis 7.- Woche)
Der Welpe hat nun seine Sinnesleistungen voll entwickelt und das ermöglich ihm auch
Allmählich, ein genaues Orten von Wahrnehmungen über Nase, Ohren und Augen. Nun werden Bewegungen in der Umgebung aufmerksam verfolgt.
Die Befähigung zur Fortbewegung reift in diesen Wochen rasch und entwickelt sich
vor allem im Spiel zu größerer Schnelligkeit, Wendigkeit und Sicherheit.
Diese zunehmenden Fähigkeiten beruhen auch auf einem sich stetig steigernden
Bewegungsbedürfnis, dementsprechend werden auch die Schlafperioden kürzer.
Die Welpen, deren Gebiss sich nun schnell entwickelt, interessieren sich schon sehr
für das Futter der Eltern und haben auch das Recht, es ihnen fortzunehmen.
Schweigend erlaubt es selbst der Rüde, dass ihm ein Welpe einen Futterbrocken aus
dem Rachen zieht.
Am Anfang wird das Fleisch freilich nur durchgequetscht, aber bald lernen es die
Welpen, kleinere Stücke loszureißen und zu verschlingen.
Sie sind dabei imstande, walnussgroße Fleischstücke ohne Schwierigkeit herunterzuwürgen.
Sollte der Welpe zuviel auf einmal verschluckt haben - etwa aus Futterneid -,
dann zieht er sich in eine stille Ecke zurück, würgt die Brocken wieder hervor und
fängt von neuem mit dem Fressen an.
Die Welpen saugen natürlich immer noch bei der Mutter, gewöhnlich bis zum Ende
dieser Periode.
Wir können jetzt schon bei den Welpen eine ganze Reihe sozialer Verhaltensweisen
erkennen:
· Das Wedeln mit der Rute als Ausdruck freudiger Erregung und
 Zuwendung
· Das Einklemmen der Rute als Ausdruck ängstlicher Ergebenheit
· Das Mundwinkelstoßen als Ausdruck freundlicher Ergebenheit und Zuneigung.
Die Welpen streiten schon recht zornig um Futterbrocken, sträuben dabei das Fell,
legen die Ohren an, ziehen die Mundwinkel zurück und entblößen knurrend die Zähne.
Noch ist die Bindung an die Mutter noch stark ausgeprägt, aber trotzdem wagen sich die Welpen täglich weiter vom Lager weg, vor allem, wenn sie dabei den Eltern folgen können.
Lerntrieb und Neugier treten in den Vordergrund und kennzeichnen das Welpenleben.
An allen erreichbaren Dingen wird versuchsweise herumgekaut, alles wird erkundet und probiert.
Kann der Welpe von einer solchen Lernphase keinen Gebrauch machen, besteht die
akute Gefahr, dass Störungen bei den jeweils zugeordneten Verhaltensmustern
eintreten oder überhaupt Teile des generellen Lernvermögens lahm gelegt werden.
Außerdem lassen sich diese verschiedenen Lerndispositionen für Sozialverhalten
besonders für die künftige Einstellung des Hundes zum Menschen auswerten.
Das Gehirn wird jetzt funktionsfähig. Die Lernbereitschaft ist so groß, dass alle Eindrücke sich tief ins Gedächtnis einprägen.
Woran er sich in diesen Wochen gewöhnt, wird ihm immer vertraut bleiben.
Was jetzt versäumt wird, kann später nur schwer oder nie mehr ganz nachgeholt
werden. Was er jetzt nicht erfährt, wird ihm später bedeutend mehr zu schaffen machen.
Während der Prägungsphase lernt der Welpe auch durch eigene Erfahrung und nicht nur durch sozialen Einfluss.
Deshalb ist es  sehr wichtig, dass dem Welpen hier die Möglichkeit geboten wird, neue Erfahrungen zu machen, neue Dinge zu fühlen (z.B. verschiedene Bodenbeläge, Flatterband, Tunnel, usw.) neue Gerüche zu entdecken und verschiedene Gegenstände ins Maul zu nehmen. Viele Alltagsgeräusche, wie Staubsauger, Autohupen, Küchenmaschinen usw.
Er sollte jetzt auch die Möglichkeit haben, andere Menschen kennen zu Lernen.
Wird der Welpe hier schlecht geprägt, dann hat das Auswirkungen für sein ganzes weiteres Leben, denn die Sozialisierung kann nur optimal werden, wenn die Prägung optimal war.
Gegen Ende der Prägungsphase übernehmen immer mehr der Vater oder andere
Rudelmitglieder die Erziehung.
 
DieSozialisierungsphase 8. bis 12. Woche
In der Sozialisierungsphase fängt die Erziehung an. Was geschieht während der Erziehung?
 
1. Verfeinerung der Sozialkommunikation, in der Prägungsphase war es so, dass der Welpe etwas getan hat und daraus gelernt hat.
Hier in der Sozialisierungsphase ist es nun aber so, dass das soziale Umfeld etwas macht, woraus der Welpe lernt.
Das soziale Umfeld fängt an, auf das Verhalten des Welpen Einfluss zu nehmen.
 
2. Kreieren von Tabus
Das Vatertier trägt einen Knochen heran und legt in ab. Er selbst legt sich in die Nähe des Knochens. Wenn der Welpe nun versucht, diesen Knochen in Besitz zu nehmen, wird er sofort vom Vatertier korrigiert.
Das kann durch Wegknurren geschehen oder auch durch einen Nackenstoß (Vatertier stößt mit der Schnauze in den Nackenbereich des Welpen).
Für den Welpen ist nun klar, dass dieser Knochen ein Tabu für ihn bedeutet
und das Vatertier die erzieherische Rolle übernommen hat. Leider ist es immer noch ein verbreiteter Glaube, dass man den Welpen im Nacken schütteln soll, wenn er etwas Verbotenes tut. Das ist grundlegend falsch. Tun Sie so etwas niemals mit Ihrem Hund! Das Nackenschütteln bedeutet für den Hund einen Angriff auf sein Leben (totschütteln, Beute totschütteln). Das Einzige, was Sie damit erreichen, ist Angst des Welpen. Wenn Ihr Welpe etwas Verbotenes tut und er wird es tun, dann schubsen Sie ihn einfach leicht weg. Nicht jeder Welpe wird dies beim erstem Mal begreifen oder akzeptieren. Also auch hier Geduld, Geduld und nochmals Geduld.
 
3. Entwicklung von operant konditioniertem Verhalten.
Das heißt, dass ein Sozialpartner auf das Verhalten des Hundes einwirken
kann.
 
4. Entwicklung des sozialen Lernvermögens.
Voraussetzung für ein gutes Lernvermögen ist, dass man dem Welpen jeden Tag etwas Neues beibringt/zeigt.
 
5. Soziale Normierung: (normieren = regeln)
Wenn der Welpe während der Prägungsphase gelernt hat, dass ein
Regenschirm keine Bedrohung ist, dann lernt er in der Sozialisierungsphase,
dass das kein Knabbermaterial ist.

Der Welpe beginnt, seine Umwelt zu entdecken und sich in die Rangordnung einzufügen. Alles war er jetzt lernt, lern er sozusagen fürs Leben.
Im Rudel wird der Welpe jetzt vom Rüden erzogen und genau diese Aufgabe müssen wir nun übernehmen. Ist der Welpe auch noch so süß...es ist in dieser Zeit absolut notwendig dem Welpen liebevoll aber auch konsequent seine Grenzen aufzuzeigen. Die große Neugier, aufgeschlossen- und Lernfähigkeit der Welpen sollten wir uns dabei unbedingt zu nutzen machen. Diese Zeit ist die wichtigste Zeit für uns und den Welpen. Alle in dieser Zeit, gemachten Erfahrungen seinen es positive oder negative wirken für alle weitere Zukunft auf fast alle Eigenschaften des Hundes ein.
Die soziale Partnerschaft zwischen Mensch und Hund wird eben jetzt in der Sozialisierungsphase unwiderruflich geprägt.
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Rangordnungsphase (13.-16.Lebenswoche)
Bei fortschreitender Entwicklung sind die einzelnen Phasen nicht mehr eindeutig am Alter festzumachen. Es kommt sehr auf die einzelne Hunderasse an. Gerade in der Rangordnungsphase sieht man das deutlich. Sie ist eher zur Aggressivität neigenden und/oder temperamentvollen Hunden viel intensiver erkennbar als bei Hunden, die diese Eigenschaften nicht so ausgeprägt aufweisen.
Grundsätzlich entwickelt sich die Rangordnung innerhalb des Welpenrudels schon in den ersten Lebenswochen. "Der stärkste Welpe wird eben der Ranghöchste, der Schwächste der Rangniederste." So einfach ist das aber nicht. Rangordnung macht sich nicht nur an körperlicher Stärke, sondern auch an der Intelligenz fest. Es kann sogar sein, dass spätere körperliche Unterschiede erst eine Folge davon sind. Der intelligentere Welpe wird mehr und besseres Futter ergattern und somit stärker als seine Geschwister werden. Es sieht so aus, als ob der Kräftigste an der Spitze steht, dabei ist es der Intelligenteste, der nun auch der Kräftigste ist.
Nicht alles definiert sich über die Kraft. Oft genug unterwirft sich ein großer Hund einem Kleineren, weil der der Ältere ist. Es kommt auch vor, dass ein körperlich weit unterlegener Hund seinen großen Artgenossen immer wieder angreift, obwohl er jedes mal Prügel bezieht. Solche Situationen werden aber immer von Menschen herbeigeführt Kommt z.B. ein jüngerer Hund ins Haus und man "separiert" den Älteren zunächst, um dem Jüngeren die Möglichkeit zu geben, sich ungestört umsehen und einleben zu können, ist die Konfliktsituation da .Der Ältere ist sozusagen stinkesauer, dass da ein Jüngerer seinen Platz eingenommen hat, der Jüngere fühlt sich bereits als "Patzhirsch" und wird seinen Platz nicht einfach so aufgeben. Rangordnung also ist nicht oder zumindest nicht nur eine Frage der körperlichen Überlegenheit, sondern weit mehr eine Frage der psychischen Überlegenheit.
Die Rangordnung wird von den Welpen selbst festgelegt, wenn wir Menschen nicht eingreifen, was wir auf keinen Fall machen sollten. Auch wenn es noch so gefährlich aussieht, sie werden sich nicht ernsthaft verletzen, sehen wir mal von den auf Aggressivität gezüchteten Rassen ab, die hier nicht behandelt werden sollen.
 Anders wird es in einer vom Menschen zusammengebrachten Gruppe sein, z.B. wenn wir uns einen zweiten, dritten oder...Hund ins Haus nehmen.
In aller Regel werden die Hunde unter sich ausmachen, wer das Sagen hat und dabei wird es bleiben...wenn der Mensch sich da raus hält! Lediglich bei ranggleichen Tieren kann es manchmal nötig sein, einzugreifen. Dies sollte dann immer mit Hilfe von sehr erfahrenen Trainern erfolgen.
Wir wissen aus Beobachtungen an anderen sozial lebenden Tieren, wie etwa Menschenaffen oder auch Elefanten, dass dort die Führung der Herde oder des Trupps nicht vom stärksten, sondern vom erfahrensten, meist altem Tier übernommen wird. Da das auch bei unseren Hunden überwiegend der Fall ist, müssen bereits die Welpen lernen, Autorität und Erfahrung anzuerkennen. Dies äußert sich bei deren Festlegung der Rangordnung.
In dieser Phase ist sehr schön zu sehen, dass die Elterntiere keineswegs nur wegen ihrer körperlichen Überlegenheit respektiert werden. Das taten die Welpen früher, als ihnen sozusagen die nötige Einsicht fehlte und sie daher auch entsprechend »handgreiflich« diszipliniert werden mussten. Die Eltern greifen zwar auch jetzt teilweise energisch ein, wenn die Rangeleien der Welpen über das Ziel hinausschießen und sie zu aggressiv werden, ansonsten genügt ein strenger Blick und die Welpen wissen, was Sache ist.
Tatsache ist, dass das Zusammenleben der Welpen und später auch Junghunde mit ihren Eltern überaus harmonisch verläuft. Das Vorhandensein einer anerkannten Autorität gibt ihnen die Sicherheit ihrer Existenz und damit die Möglichkeit zur freien Anpassung an die bewährte Sozialordnung.
Spätestens jetzt wird auch mit der Unterordnung begonnen, aber möglichst nicht länger als eine Viertelstunde lang. Kommandos wie »Sitz«, »Platz«, »bei Fuß«, lernen Welpen schnell und gern, wenn es nicht zu langweilig wird.
Der Welpe erkennt in diesem Lebensabschnitt keineswegs mehr allein die "rohe Gewalt an", sondern die Überlegenheit desjenigen, dem er sich unterordnen soll. Er sucht die Autorität, denn sie allein gibt ihm die Gewähr, dass das Können und die Erfahrung des Rudelführers sein Überleben absichern.
Bekommt er von uns Menschen jetzt nicht die Sicherheit und Autorität die er sucht, wird er im Glauben sein, selbst das Rudel führen zu müssen. Es kommt zwangsläufig zu großen Problemen, die gerade bei großen Hunderassen in einem Fiasko enden müssen.

Rudelordnungsphase (5. / 6. Monat)
In den vorangegangenen Phasen,besonders in der Rangordnungsphase wurden die Grundvoraussetzungen für die weitere Erziehung und Sozialisierung gelegt. Bei den Wölfen wäre das Jungtier nun schon ein fast vollwertiger Jagdpartner. 
Zwei elementare Gesichtspunkte sollte man nicht ausser Acht lassen:
   - Wir sind die Rudelführer
   - Wir bleiben immer und auf jeden Fall die Rudelführer
Bisher verlief die Entwicklung wildlebender Hunde-artiger/Wölfe und unserer Welpen sehr ähnlich, dass ändert sich nun einschneidend und muss den modernen Gegebenheiten angepasst werden.
Das Leben in einem wilden Rudel erfordert Disziplin. Um den Welpen ausbilden zu können, bieten wir ihm neben dem völlig losgelösten Spiel ein diszipliniertes Spiel. Auch wenn das ursprüngliche Zuchtziel Jagd oder Hüten und Beschützen einer Herde in den meisten Fällen nicht mehr Ziel der Ausbildung ist und auch der Hund in keinem Fall zum Therapiehund, Diensthund, Wachhund oder ähnlichem ausgebildet werden soll, ist es dennoch sehr wichtig, dem Hund etwas beizubringen.
Dog Dancing, Agility oder andere „Lernspiele“ fördern und fordern unseren Hund geistig, wie auch körperlich. Hierzu gibt es in jeder guten Fachhandlung, in Hundeschulen und natürlich in unserem Forum Hilfe, Literatur und Anregung.
Unser "Zwerg" befindet sich in einer ausgeprägten Lernphase, ist neugierig und lernt mit viel Spass und Freude. Nützt man das nicht, verkümmern Geist und Seele und plötzlich haben wir 50 Kilo eigensinnigen Vierbeiner an der Leine, die wir nie und nimmer halten können! Man bedenke...aus jedem Bernerzwerg wird ein Bernerriese! Der Rudelführer bietet ihm die Sicherheit, gemeinsame Aktionen bis zur Vollkommenheit zu üben und Erfolgserlebnisse zu erhalten.
Mit kleinen Aufgaben und Übungen stärken wir nicht nur unsere Stellung als Rudelführer, wir intensivieren und festigen ausserdem die Bindung an unser vierbeiniges Familienmitglied.
Sind wir jetzt nicht souveräner Rudelführer, wird unser Vierbeiner, der sich in einer Art Trotzphase befindet, versuchen in der Rangfolge zu "klettern".
Eines muss ganz deutlich sein: Selbst der kleinste Mensch (Säugling,Kleinkind etc.) steht in der Rangfolge über unserem Hund!
 Beschäftigungsspiele verstärken die Position des Rudelführers und verdeutlichen die Grenzen des Junghundes.
Bleibt diese Lernphase ungenutzt oder wird nicht gefördert, kann es passieren, dass sich mehr und mehr ungeliebte Verhaltensweisen des Hundes in das Zusammenleben einschleichen. Befehle werden erst auf den zweiten Ruf gehört, oder gänzlich mit Nichtachtung bestraft, usw.
Hier steht man am Wendepunkt, denn wenn der Rudelführer versagt, muss der Hund diese Stellung einnehmen, eine Familie ohne Anführer darf es in den Augen des Hundes – NIEMALS GEBEN.

Pubertätsphase (7. -12. Monat)
Die Pubertät ist eine Phase, die nicht nur wir Menschen, sondern auch unsere Hunde durchleben. In dieser Phase wird die Hündin in aller Regel das erste Mal läufig und der Rüde beginnt, sein Bein zu heben. Nicht nur unsere Teenager, sondern auch unsere Hunde haben es jetzt schwer. Sie werden immer erwachsener und testen ihre Grenzen aus – bereits Erlerntes scheint auf einmal vergessen. Das heißt, der Hund hört, oder eben auch nicht!! Manche Hunde reagieren auf einmal in sonst vertrauten Situationen mit Unsicherheit und Angst. Andere Hunde legen ein geradezu rüpelhaftes Verhalten an den Tag. Gerade jetzt kommt es auf Konsequenz und Kontinuität in der Erziehung an. Tägliches Üben ist wichtig und die Hundeschule fast schon ein "MUSS". Ein gegebenes Kommando ist unbedingt einzuhalten, denn unser Vierbeiner muss wissen, wer hier das Sagen hat. Man muss sehr genau überlegen, ob man ein Kommando gibt oder nicht. Ein Hund, der zum Beispiel gerade von der Leine gelassen wurde, sollte nicht sofort zurückgerufen werden, denn er wird nicht kommen und dann steht man ziemlich hilflos in Feld/Wald/Flur. Gibt man ihm Zeit, erstmal alle Spuren zu "lesen", seine Eigenen zu hinterlassen und sich umzuschauen, wird man mit seinem Kommando Erfolg haben und beide, also Hund und Herrchen, sind zufrieden.
Zum Trost sei gesagt, auch hier ist es wie bei den Menschen...die Pubertät geht vorbei. Am Ende des ersten Jahres wird es wieder besser. Dann haben sich die Hormone eingependelt und auch der Erziehungserfolg stellt sich wieder leichter ein. Kleinere Rassen sind nun erwachsen, der Berner jedoch noch nicht. Bis er seine endgültige Statur hat und erwachsen ist, dauert es bei Rüden bis zu 3 Jahren, wohingegen Hündinnen da schneller sind.
Aber Vorsicht! Decken kann ein Rüde bereits wesentlich früher und eine Hündin kann mit der ersten Läufigkeit aufnehmen, also schwanger werden.

Die Reifungsphase endet beim Berner Sennenhund, wie bereits im vorangegangenen Kapitel beschrieben, eher später.
Hier zeigt sich, ob er die Anleitung erhalten hat, welche seine Entwicklung optimal fördern konnte. Zu sehen ist dies unter Anderem an seiner Bereitschaft zur freundlichen Kontaktaufnahme bei Mensch und Tier.
Der Hund ist psychisch ausgereift und positive wie negative Erfahrungen und Eindrücke bestimmen sein Handeln. Nur noch mit viel Mühe, Liebe, Zeit und Kenntnissen ist er zu verändern.
Reifungsphase (12. bis 18. Monat)
 

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