
Die Kluge reist im Zuge?!
Tjaaa... Isch 'abe gar kein Auto! (Aber einen Führerschein! Ätsch!) Und darum (und weil ich frühmorgens noch viel zu müde bin, um selbst zu fahren, und einmal vom Problem ganz abgesehen, in Basel einen Parkplatz zu finden) fahre ich täglich (oder zumindest werktags) mit dem Zug.
Ein alter SBB-Slogan: DER KLUGE REIST IM ZUGE!Und ich fahre schon mit dem Zug, seit ich damals in die Bezirksschule nach Rheinfelden gekommen bin... danach dann nach Basel ins Gymnasium... danach dann weiterhin nach Basel in die Handelsschule... und danach dann schliesslich immer noch nach Basel und zwar zur Arbeit.
Ist eigentlich ganz bequem - man kann noch die Augen zumachen und etwas dösen - auch wenn in meiner Schulzeit gelegentlich noch alte "3.-Klass-Wagen" im Einsatz waren, die nicht so schön gepolstert waren und die einen fiesen Holzbalken an der Rücklehne hatten, an denen wir uns beim Hinsetzen und Zurücklehnen regelmässig den Kopf angeschlagen haben...

Im Laufe der Jahre habe ich da natürlich einiges erlebt... okey, meistens fahren die SBB relativ pünktlich (SBB = Schweizerische BundesBahnen), doch gelegentlich gibt's eben schon Sachen, die einem eher im Gedächtnis haften bleiben als eine stinknormale pünktliche Zugsfahrt! ;-)
Deshalb werde ich hier mal ein paar Anekdoten bringen, solange mein Erinnerungsvermögen noch funktioniert...

SCHNEE UND EIS
So regelmässig und pünktlich die Züge sonst auch fahren mögen... sobald der erste Schnee gefallen ist, gibt's Verspätungen. Aber das geht ja noch und ist ja irgendwie auch noch verständlich...
Allerdings kann ich mich noch an einen eisigen Winter in meiner Schulzeit erinnern, wo man wohl aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen vergessen hat zu heizen - jedenfalls war es im Wagen mehrmals fast so kalt wie draussen und an den Scheiben sind sogar innen wunderschöne Eisblumen gewachsen...
SOMMERHITZE
So kalt es manchmal im Winter war, so heiss ist es gelegentlich im Sommer. Besonders nett für die abendliche Heimfahrt, wenn die Wagen in Basel eine Weile in der prallen Sonne standen: dann fühlt man sich wie in einem Backofen - und als erstes müssen mal alle Fenster aufgemacht werden, um frische Luft zu bekommen. Für diesen Fall habe ich sowieso einen Fächer in der Tasche, das ist wirklich sehr wohltuend... ;-)
Einmal war's auch besonders heiss im Regionalzug, als der Zugführer seine gewohnte Durchsage etwas abwandelte: Willkommen in der Regionalsauna nach Frick!
KNAPP DANEBEN IST AUCH VORBEI
Zur Information: Bei meinem Dorf-Bahnhof gibt's zwei Perrons, einmal für Gleis 2 und 3 und dann noch einen für Gleis 4 und 5 - von letzterem aus fahren für gewöhnlich die Züge nach Basel.
Einmal - noch während meiner Bez-Schulzeit - stand des Morgens schon ein Zug auf Gleis 5. Doch der Zug, in den wir steigen wollten kam dann... auf Gleis 6! War ein ganz schönes Gerangel, als wir dann erst beim einen Zug auf Gleis 5 einsteigen mussten, auf der anderen Seite wieder raus und dann endlich in unseren Zug hinein! ;-)
Ein anderes Mal - wir sassen also bereits glücklich in unserem "Schnellzug", der noch in Rheinfelden halten sollte und dann erst wieder in Basel - fuhr der Zug doch kalten Arsches einfach bei Rheinfelden durch und hat nicht mal angehalten!
Lustigerweise war da gerade mal wieder so eine Billetkontrolle und Umfrage ("Vo wo bis wo fahred Si?") und die arme junge Frau, die dort alles brav in ihren komischen Kasten eintippste wurde natürlich gleich bestürmt, was denn das solle, wieso der Zug denn nicht halte. Ach, sollte der hier anhalten? Davon weiss sie leider nichts, sie sei nur hier zum eintippsen! ;-)
"ZUGSBEKANNTSCHAFTEN"
In einem Zug kann man viele Leute kennenlernen. Auch wenn sich die allermeisten Leute darum bemühen, einander so gut wie möglich zu ignorieren und sich möglichst weit auseinander zu setzen, wobei dies in vollen Zügen fast unmöglich ist...
Der aufdringliche Verehrer
Hmmm, ich ging damals noch nebenbei in die Kammerschule, also muss es irgendwann zwischen 1994/1996 gewesen sein (und dementsprechend war ich da ungefähr 24/26 Jahre alt)...
... da war mal so einer (Irgendein Asylant aus der Balkan-Region, die genaue Nationalität hab' ich vergessen, ist aber auch egal!), der ist öfters abends mit dem gleichen Zug gefahren wie ich. Irgendwann hat er sich mal zu mir gesetzt und mich angequatscht. Höflich und freundlich, wie ich nunmal bin (Jedenfalls meistens!), habe ich mich also ein Bisschen mit ihm unterhalten, was dann mehrere Male darauf hinauslief, dass er mich unbedingt auf einen Drink einladen wollte... Aber ich wollte nicht.
Wie es der Zufall so wollte, stieg er dann eines Samstag-Morgens in den gleichen Zug wie ich in Richtung Basel - und entdeckte mich natürlich auch noch gleich, worauf er schon wieder auf's heftigste anfing, mich zu belabern blablabla (Inzwischen war ich vielleicht schon nicht mehr ganz so höflich und freundlich wie ganz am Anfang unserer "Bekanntschaft", weil schon leicht genervt!)... Und in Basel ist der Kerl doch dann glatt hinter bzw. neben mir hergelaufen und hat mich bis zur Schule verfolgt. Und dann... wollte er mir doch glatt noch einen Kuss geben!
Tja, was soll ich sagen, da hat's mir nun endgültig ausgehängt. Ich hab ihm eine geschmiert, hab auf dem Absatz kehrt gemacht und bin schnurstracks zur Schule rein, ohne mich noch mal umzudrehen.
(Nebenbei erwähnt war das wohl so ziemlich das einzige Mal, dass ich wirklich gerne in die Schule ging! *smile*)
Als ich die Story mit der Ohrfeige daheim erzählte, bekamen meine Eltern erstmal einen ziemlichen Schrecken und machten sich Sorgen, dass der Kerl sich vielleicht rächen könnte (Ojeee, habe ich etwa einen Macho in seiner männlichen Ehre gekränkt, indem ich seine Annäherungsversuche zurückwies?)...
... aber glücklicherweise habe ich ihn nie wieder gesehen. Was vielleicht auch damit zusammenhängen könnte, dass ich dann abends sicherheitshalber auf einen anderen Zug bin... *seufz*
Einmal bin ich sogar mit einem Güterzug gefahren!
Und das kam so:
Das war zu einer Zeit, als ich noch in die Kammerschule ging und am Samstag nach Zürich musste, also 1995/1996, und zu der Zeit war an den Gleisen 2/3 irgendwas gearbeitet worden, weshalb wir es gewohnt waren, auf Perron 4/5 zu gehen. Auch an diesem Samstagmorgen hing noch das Schild da, dass Bahnsteig 2/3 gesperrt wäre (von wo normalerweise die Züge nach Zürich fahren), also trottete ich aufs andere Perron. Aber wie wir da standen, kam dann der Zug... auf Gleis 3!
Ich weiss noch, dass ein Mann rasch geschaltet hat und dann einfach quer übers Gleis lief und tatsächlich einsteigen konnte, bevor der Zug wieder abrauschte. Ich und zwei andere Frauen standen dagegen da, buchstäblich wie bestellt und nicht abgeholt. Da kam ein SBB-Mann angelaufen und hat die Absperrung für das andere Perron abgemacht und wir haben ihm dann zugerufen: Ähm, das wäre eigentlich unser Zug gewesen?! - Er hat die Hände zusammengeschlagen und ihm war's sichtlich peinlich, doch er war auf Zack...
Ein paar Minuten kam ein Güterzug durch, den er kurzerhand anhalten liess. Dann durften die zwei Frauen und ich vorne in der Lok einsteigen. Und dann ging's auch schon los! Hui! Von vorne sieht's irgendwie ganz anders aus! ;-)
Jedenfalls sind wir bis nach Brugg im Güterzug mitgefahren und dort dann wieder auf normale Züge umgestiegen. Ich kam etwas zu spät zum Kurs, aber als ich dem einen Knilch, der auch mit dem Zug kam (allerdings von Basel, über eine andere Strecke), erzählte, dass ich mit nem Güterzug gefahren wäre, da war der sooo neidisch! ;-)
Update:
Bis 2007 fuhr ich also fast täglich mit dem Zug nach Basel zur Arbeit, doch dann war Schluss und ich habe mir mein Büro in der eigenen Stube eingerichtet...
Als ich dann irgendwann mal wieder nach Basel musste/sollte/wollte, bin ich fast vom Stuhl gefallen, denn plötzlich gab es zwei neue Stationen!
Ich war völlig baff!
Stein - Mumpf - Möhlin - Rheinfelden - Augarten - Kaiseraugst - Augusta Raurica - Pratteln - Muttenz - Basel
Zumal ich es auf dem Hinweg im Interregio gar nicht gemerkt habe, erst auf dem Rückweg mit einem Bummelzug... ;-)
Tja, und unser Bahnhof war bis dahin auch total renoviert worden.