Einmündung der Bockelstraße in die Hedelfinger Filderauffahrt
Verdruß in Heumaden
Von Suse Müller (Sillenbucher Rundschau)
Morgens um Sieben ist die Welt in Heumaden nicht immer in Ordnung. Vor al-lem nicht für die Autofahrer, die über die Bockel-straße in Richtung Sillenbuch fahren wollen. Ein Einfädeln in die Autokolonne aus Hedelfin-gen ist an der Einmündung der Bockel-straße in die He-delfinger Filderauffahrt schwierig und gefährlich.
Die Ampel an der Kirchheimer Straße stoppt zwar kurzfristig die Autos von oben. Diese Lücke nützt den Linksabbiegern in der Boc-kelstraße wenig, wenn sie nicht das Glück haben, daß nette AutofahrerInnen sie einfädeln lassen.
So entsteht jeden Morgen und auch am Abend ein Stau in der Bockelstraße. Wer den öffentlichen Nahverkehr benutzt, kam bisher auch nicht schneller vorwärts, der Bus stand hinter den warten-den Autos vor der Kreu-zung.Die einzige wirksame Abhilfe dieser Misere wäre eine Ampel. Sie wurde schon lange gefordert, aber bei einem leeren Stadtsäckel ist sie zur Zeit sicher nicht zu erhalten. Nun scheint am Jahresende doch noch ein bißchen Geld übrig gewesen zu sein, zu-mindest für ein wenig Farbe. Denn vor eini-ger Zeit wurde auf der Bockelstraße im Be-reich der Kirche eifrig ge-malt. Als alles fertig war, konnten die staunenden Heumäder eine neue Busspur bewundern, mitten in der Straße und vom Ze-brastreifen bis zur Kreuzung. Als vorübergehender Kompromiss wäre diese Idee gar nicht so schlecht, gäbe es an dieser Stelle keine Häuser, keine Kirche, keine Geschäfte und kein Lokal. Durch die Busspur fällt die Parkmöglichkeit auf einer Straßenseite ganz weg, und die An-wohner, ihre Besu-cher und die Kunden von außerhalb können in Zukunft auf Parkplatzsuche gehen. Nicht ganz einfach, denn die Paprikastraße, der Hochholzweg und die übrige Bockelstraße sind meist auch schon zugeparkt. Da die Läden auch mit Nachschub versorgt werden müssen, sieht man die Lieferwagen bereits abenteuerlich in der Kurve zum Hochholzweg stehen, um zu entladen. Dort ist auch ein Rollstuhlüberweg, der dann zwangsläufig immer öfter zugeparkt sein wird.
Schlechte Karten haben auch die Autofahrer, die an den gelben Telefonhäuschen anhalten möchten, um zu telefonieren. Beson-ders für längere Fahrzeuge wird's strafzettelgefährlich. Parken auf der Rechtsabbiegespur oder gar auf dem Gehweg? Bleibt die Hoffnung auf einen freien Platz vor der Kirche.
Nun sollte aber die Busspur nicht gleich wieder abgeschafft werden, den Busfahrern sollte eine winzige Chance gelassen werden, ihren Fahrplan einhalten zu können. Aber wäre es nicht sinnvoll, die Spur erst an der Kirche beginnen zu lassen, um bei den Läden parken zu können? Im übrigen hoffen die Heumäder weiter auf eine Ampel, auch weil die Busfahrer jetzt vermehrt auf die Autofahrer aufpassen müssen, die rechts vom Bus schnell noch vor diesem über die Kreuzung wollen. Das ist gut möglich, weil die rechte Linie der Busspur zwei Autolängen vor der Einmündung aufhört.
Ob wohl die Farbe ausging? Oder war's Platzmangel? Was hat die ganze Malerei also gebracht? Ärger bei den Anwohnern und für den Bus einen minimalen Vorsprung bis zur Einmündung, aber dann ist er immer noch nicht über der Kreuzung hinweg.
Solange Sillenbuch für den Verkehr ein Nadelöhr bleibt, staut sich's halt weiter hinten. -sm-
Der Artikel ist in der "Sillenbucher Rundschau" erschienen am 26. Oktober 1994 und wurde im Rahmen einer Datei-Restaurierung immer noch (weil unerledigt) wichtiger Artikel in diese Website eingestellt am 25. September 2000.
Kleiner Nachtrag anno 2000:
"Einstimmig" habe der Sillenbucher Bezirksbeirat im Oktober 1994 die Installation einer Ampel an der Einmündung Bockelstr./Hedelfinger Filderauffahrt gefordert, heißt es in einem ergänzenden SR-Kurzbericht in derselben SR von 1994.
Passiert ist auch im neuen Jahrtausend noch immer nichts. Daraus kann geschlossen werden, dass es irgendwelche Kräfte in der Weltstadt gibt, die entgegen allen Beteuerungen (in Richtung Notwendigkeit des Baus einer B312-Umfahrung für Riedenberg) durch Nichtstun möglichst viel Verkehr in den District 70619 hineinziehen wollen. Dieselben Leute vom Fach haben inzwischen auch eine potentielle Staugefahr an der Kreuzung mit den nunmehr öfter fahrenden Stadtbahnen medial hochzuspielen versucht. Da mit den Linie 15 und 16 bereits bis 1999 ein 5-Minuten-Takt geboten wurde (in der Spitzenviertelstunde fuhren die Bahnen davor sogar noch öfter), ohne dass es zu Stauproblemen gekommen ist, war abzusehen, dass diese besondere Art lokalpolitischer Hysterie nichts weiter war als verantwortungsloser falscher Alarm.
Was soll eigentlich diese Hochspielerei des Stadtbahnkreuzungsproblems einerseits und die unrealistischen Träumereien vom "raschen Bau der B312" als Lösung aller Heuriedbuch-Verkehrsprobleme, in Kenntnis der Tatsache, dass die Politik seit 1882 nicht in der Lage war, konkrete Finanzierungsperspektiven nachzuweisen.
26.09.2000: Dietrich Hiller